Impulstext im Oktober 2026

Am 04. Oktober war der 800te Todestag von Franz von Assisi. Eine Gelegenheit, den Heiligen einmal persönlich zu beleuchten.

Die kirchliche Welt ist gross und vor allem ist sie sehr bunt. Es ist ungebrochen aktuell, diese bunte Kirche auf Pilgereisen zu erkunden. Eine besonderen Anziehung strömt dabei die Stadt Assisi aus – der Stadt des Heiligen Franziskus, dessen 800. Todestag wir am 04. Oktober gefeiert haben. Assisi ist einer dieser Orte, der auf eine bemerkenswerte Art eine besondere Kraft ausströmt. Assisi ist eine wunderschöne Stadt in einer wunderschönen Umgebung. Die Kirchen sind voller Kunst und man kann sehr gut dort essen. Für so manche Jugendlichen ist oder war der Besuch in Assisi ein Teil des Firmweges. Der Heilige Franz ist eine immer noch spannende Persönlichkeit – und es lohnt sich, den franziskanischen Geist vor Ort zu erleben.

Es gibt viele Gründe, nach Assisi zu fahren. Für so manchen Mystiker ist Assisi aber ein Ort, der trotz der Besucherscharen einen tiefen Frieden ausstrahlt. Ein Friede, der, wie der Apostel Paulus es sagt, alles Verstehen übersteigt.

Viele Pilgergruppen, die Assisi besuchen, wandeln auf den Spuren des Heiligen und besuchen die vielen Orte, die uns noch heute vom Leben des Heiligen Franz erzählen. Eine besondere Station ist sicher die Kirche Santa Chiara, in der die berühmte grosse Kreuzikone von Assisi hängt.

Franziskus wurde 1181/82 als Sohn reicher Kaufleute in Assisi geboren. Er wuchs in Reichtum auf, war aber keine Adliger. Aber er war ambitioniert. Als gut gebildet Mann suchte er Anschluss an die Oberschicht. Feierte ausschweifende Feste und genoss das Leben. Irgendwann mit Anfang 20 entschloss er sich, in den Krieg gegen die Nachbarstadt Perugia zu ziehen. Er wurde gefangen genommen, eingekerkert und erst viele Monate später gegen ein Lösegeld in die Freiheit entlassen. Nach eine längeren Genesungszeit zog er ein zweites Mal in den Krieg.

Und er träumte nachts, dass ihm Gott begegnete. Gott fragte ihn: "’Franziskus. Wer kann dir besseres geben: der Herr oder der Knecht.’ Und Franzikus antwortete: ‘Der Herr.’ Und Gott fragte ihn: ‘Warum dienst du dann dem Knecht?’ Und Franziskus fragte: ‘Was willst du, dass ich für dich tue?’ Und Gott sagte: ‘Kehre zurück in deiner Heimat. Ich will dein Leben in geistlicher Weise erfüllen.’"

Franziskus kehrte zurück in die Heimat und zog sich mehr und mehr in die Einsamkeit zurück. Die grossen Wünsche und Träume waren zerrüttet. Er war auf der Suche nach dieser Erfüllung, von der Gott gesprochen hatte. Knapp unterhalb von Assisi lag die damals halb verfallene Kapelle San Damiano. Und dort fand Franziskus die erwähnte Kreuzikone. Er meditierte tagelang vor dieser Kreuzikone und er kam immer wieder zu ihr zurück. Er fand in dieser Ikone etwas für ihn Neues, was seinem Leben eine unbekannte Erfüllung gab: er begegnete Christus auf Augenhöhe. Das Kreuz begann mit ihm zu sprechen. Wer in Christus meditiert, mit ihm auf Augenhöhe ins Gespräch kommt, findet Antworten, die alles Verstehen übersteigen. Der findet Erkenntnisse, die nicht aus einem selbst stammen – wer in die Stille eintaucht und sich ganz von Gott umfluten lässt, der oder die findet diesen Frieden, der grösser ist als unser Verstand.

Jedes Mal, wenn ich mit einer Gruppe in Assisi bin, erzähle ich diese Geschichte. Wir suchen anschliessend dieses Kreuz auf. Und wir nehmen uns Zeit, vor diesem Kreuz zu meditieren – solange, bis wir die Stimme Gottes hören. Natürlich nicht wörtlich. Aber eine viertel Stunde darf es sein. Ob alle Meditierenden die Stimme Gottes hören, weiss ich nicht. Aber die meisten nehmen die Stille ernst. Für mich immer ein besonderer Moment. Dort in Assisi vor dem Kreuz zu sitzen und zu meditieren. Mehr als einmal kamen mir Impulse, die nicht von mir erdacht waren und mich immer noch tragen. Es sind Momente des inneren Friedens, der inneren Betrachtung und der Ruhe. Wenn man in sich selbst hineinhorcht, bis man nicht mehr denkt – und dann plötzlich in der Stille der eigenen Seele in einen Dialog mit Gott tritt.

Franziskus ist dieser Stimme fast schon radikal gefolgt. Nahezu wörtlich hat er die Art und Weise, das Leben zu interpretieren, aus dem Evangelium herausgelesen und umgesetzt. Mit einer Konsequenz, die ihn bis heute zu einer faszinierenden Persönlichkeit machen. Sein Lebenswandel, seine Lebensphilosophie und seine Verbundenheit mit Gott können uns heute noch inspirieren. Die Art, mit Gott in den Dialog zu treten. Das Leben als Gebet zu verstehen und immer wieder zu fragen: ‘was willst du Herr, das ich für dich tue?’

 

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Eric Petrini | Theologe

Leiter Fachbereich Jugendpastoral & Ökumene
Mitarbeit Fachbereich Ausbildung ForModula