Impulstext im Oktober 2025
Bischof Bonnemain verkündete vor bald zwei Jahren, das Heilige Jahr 2025 zum Anlass zu nehmen und den Gedanken «Pilger der Hoffnung» im Bistum Chur sichtbar umzusetzen. An drei Anlässen – jeweils in den drei Bistumsregionen – sollten Zeichen der Hoffnung gesetzt werden, um die Menschen wie Multiplikatoren der Hoffnung zu stärken – aber auch wieder in ihre Dörfer und Quartiere zu entsenden.
In Chur sollte der erste Anlass als Auftakt organisiert werden. Er fand am 15. Juni 25 auf dem Arcas-Platz in Chur statt.
Dieser Anlass auf dem Arcas war mit einem gewissen Aufwand verbunden, der sich 100%ig gelohnt hat. Es gab eine Einstimmung mit Lobpreis-Gesängen und anschliessend ein grosser, gemeinschaftlicher Gottesdienst mit Mitfeierenden aus allen Regionen und musikalisch gestützt durch die Scola da cant Surselva. Es wurde ein gemeinsames Mittagessen angeboten und nach dem Mittag begeisterte der Chor der kroatischen Mission den ganzen Platz mit seiner Energie und zwei Singer-Songwriterinnen beschenkten die Zuhörenden mit ihrer Kunst. Insgesamt herrschte eine warme und herzliche und vor hoch positive Stimmung.
Das Heilige Jahr steht unter dem Motto: «Pilger der Hoffnung». Im Bistum Chur wurde dieses grosse Motiv mit drei wegweisenden Verben übersetzt: «hören. handeln. hoffen.».
«Hören», weil die Kirche hinhören muss. Hinhören und dort sein, wo Leben ist. Nur eine Kirche, die hinhört, kann die Menschen mit ihren Fragen begleiten, sie ernst nehmen und abholen. Darum wurde der Bistumstag in Chur mitten in der Altstadt gefeiert, dort wo das Leben der Stadt stattfindet.
Das zweite Motto heisst «handeln», weil die Kirche diakonisch sein muss. Die Kirche muss eine caritative, also liebende Kirche sein, die die Lebenssituation der Menschen ernst nimmt und sie auch kennt und teilt, die für die Menschen da ist – und vor allem offen ist und niemanden überfordert oder ausschliesst. Darum war der ganze Anlass offen für alle und kostenlos. Niemand sollte sich ausgeschlossen fühlen.
Das dritte Motto lautet «hoffen». Die Kirche muss alles dafür tun, Hoffnung zu verkünden und Hoffnung und neuen Mut aufkeimen zu lassen. Die Kirche ist eine Gemeinschaft, in der Gott handeln soll und erfahrbar wird, damit die Menschen Kraft finden, um das Leben zu bewältigen.
Diese drei Gedanke wurde beim Bistumstag in einer besonderen Handlung sichtbar: Aus vielen Regionen Graubündens und des ganzen Bistums waren Mitarbeitende anwesend. Die Angemeldeten wurde im Voraus gebeten, etwas Wasser aus ihren Dörfern mitzubringen. Das sollte dann in einem Gefäss gesammelt und gesegnet werden, um dann anschliessend die Anwesenden mit einem Taufgedächtnis zu segnen. Es sollte ein Zeichen sein, dass die Anwesenden mit ihren Fragen, Ängsten, Anliegen und Hoffnungen aus allen Regionen zusammenkommen und alle etwas zum grossen Segen beitragen, sich gegenseitig Mut machen, in der Hoffnung bestärken -– und diese Hoffnung zurück in ihren eigenen Alltag und ihre Dörfer bringen.
Diese kaum 10 Minuten dauernde Zeichenhandlung war intensiv und vielleicht das Highlight des ganzen Festes. Denn nicht nur die Angemeldeten brachten Wasser, sondern auch andere Mitfeiernde liessen sich spontan inspirieren und gaben etwas von ihrem von zu Hause mitgebrachten Wasser in das grosse Gefäss, aus dem das Wasser geschöpft wurde, mit dem alle Anwesenden gesegnet wurden. Auch nach dem Gottesdienst kamen viele, die etwas von diesem gesegneten Wasser mit nach Hause nehmen wollten.
100 Tage nach dem Anlass sind es diese Eindrücke, die bleiben. Die Lage der Welt, unserer Gesellschaft und auch die Situation unserer Kirche ist so besorgniserregend wie schon lange nicht mehr. Mit leeren Parolen und frommen Gebeten ist vermutlich nur wenigen geholfen. Aber wenn Menschen wieder beginnen, einander zuzuhören und Mut zusprechen, kann Hoffnung wachsen. Wenn Menschen einander positiv aufbauen, statt alles mit einem negativen Kommentar zu versehen, kann Hoffnung wachsen. Wenn Menschen wieder spüren, dass sie willkommen sind und dass sie Teil einer Gemeinschaft sind, kann Hoffnung wachsen.
Als Pilger der Hoffnung wissen wir, dass Hoffnung nichts Statisches ist – sondern eine lebendige Lebensenergie. 100 Tage nach dem Bistumstag möge der Segen weiterhin in den Regionen und auch in uns wirken – damit jeder und jede seinen und ihren Beitrag leiste, dass diese Hoffnung gestärkt werde.
Es ist ein Appell an den Frieden: Einander zuhören. Niemanden ausschliessen. Sich gegenseitig stärken. Hören. Handeln. Hoffen.
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Eric Petrini | Theologe
Fachbereich der Katholischen Kirche im Kanton Graubünden
Jugendseelsorge / ökumenische Zusammenarbeit / pastorale Vernetzung
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