Impulstext im November 2024
Die Tage um oder auch nach der Zeitumstellung stellt für viele Menschen eine gewisse Schwierigkeit dar. Obwohl man gar nicht an einen anderen Ort gereist ist, erlebt man so etwas wie einen Mini-Jetlag. Am Tag nach der Zeitumstellung hörte ich in einem kurzen Radiobeitrag, wie ein Mann davon erzählte, dass er im Nachtdienst arbeitet und zusehen musste, wie die Uhr um 3 Uhr nachts um eine Stunde zurücksprang. Die Stunde, die anderen Menschen im Schlaf oder im Ausgang dazu geschenkt wird, musste dieser Mann erarbeiten.
Zeit ist relativ. Wie kann es sein, dass einem eine Stunde geschenkt wird? Wie muss ich mir das vorstellen. Ich kann diese Stunde nicht sammeln oder irgendwo ablegen für schlechte Zeiten, wenn mir eine Stunde fehlt. Dem einen wird die Stunde geschenkt und der andere muss eine Stunde länger arbeiten. Wird diese Stunde dann wo anders wieder entnommen und fehlt sie dann dort, wo Zeit knapp ist?
Zeit ist relativ. Für die einen bewegt sich die Zeit schneller, für die anderen langsamer. Können Sie sich vorstellen, dass alle Dinge gleichzeitig geschehen? Die einen schauen gelangweilt aus dem Fenster oder starren im Nichts verloren in ihre Handy, die Zeit steht still und genauso auch der Kopf und das Herz .. und andere kämpfen um ihr Überleben oder sind gerade dabei sich zu verlieben oder sind sonst wo am Puls der Zeit.
Zeit ist relativ. Letztlich eine Erfindung. Wie sähe das Leben aus, wenn der Tag nicht 24 Std, sondern glatte 30 hätte? Wenn die Stunde nicht 60 Minuten, sondern 100 Minuten zählen würde. Wie sähe das Leben aus, wenn die Stunde, die uns geschenkt wird, wir mit Leben füllen und anderen Menschen zurück schenken? Warum teilen wir den Tag in Arbeitszeit, Freizeit und Schlafenszeit ein und nicht in Begegnungen und Relationen? Was bringt mir die geschenkte bzw. verordnete Stunde Lebenszeit, wenn ich diese beziehungslos vergeude?
Wir sollten mehr Verantwortung füreinander übernehmen. Die Zeit ist relativ - aber das Leben ist Relation, Beziehung, Verantwortung und Gemeinschaft. Kein Mensch kann Zeit nur für sich nutzen. Alles ist immer in Beziehung. Kein Mensch kann nur für sich glauben oder Segen in Anspruch nehmen. Als Menschen sind wir aufeinander angewiesen. Immer im Dreieck von Ich, Du und dem Ewigen. Leben kann ich nicht für mich allein – glauben kann ich nicht für mich alleine und lieben auch nicht.
Dieser Wechsel vom goldenen Herbst in den dunklen November macht etwas müde und trist. Aber auch das sind wir nicht für uns allein.
Der November lädt uns ein, etwas näher zusammenzustehen und einfach so mehr Zeit miteinander zu verbringen. Einfach so Begegnungen nicht zu vergeuden, weil die Zeit so knapp ist, sondern Begegnungen zu suchen, weil die Zeit ohnehin nur eine Idee ist. Wer braucht mehr Zeit – wenn er statt dessen mehr Freude, Friede, Hoffnung und Liebe haben kann.
Ich tausche gerne meine Zeit gegen Freundschaft und herzliche Begegnungen ein. Und ich freue mich für jede und jeden, der oder die mir eine Stunde schenkt.
