Impulstext im Februar 2026

Das Volk, das im Dunklen lebt, sieht ein helles Licht. Denen, die im Schatten des Todes sind, wird ein helles Licht aufscheinen. Diese Vision des Propheten Jesaja wurde an Weihnachten Realität und am Fest der Darstellung des Herrn vom greisen Simeon für alle hörbar verkündet. Aber - was bedeutet es, wenn im Dunkeln ein Licht aufleuchtet.

Wir allen kennen solche trostspendenden Sprichwörter: «nach jedem Regen scheint auch wieder die Sonne.» Oder: «Ich sehe schon das Licht am Ende des Tunnels.» Wir kennen sie und nutzen sie – und hoffen einfach, dass das Licht am Ende des Tunnels schon irgendwann und irgendwie zu sehen sein wird. Tragisch ist es, wenn man sich eingestehen muss, dass man zur Zeit kein Licht am Ende des Tunnels sehen kann. Aber… auch hier gibt es wieder ein passendes Sprichwort: «Die Hoffnung stirbt zuletzt».

Das Prinzip Hoffnung ist faszinierend.

Versuchen Sie einmal zu beschreiben, was Hoffnung bedeutet. Ich könnte Ihnen viel einfacher erklären, was Mut bedeutet. Und ich kann wesentlich besser beschreiben, wie ein Mensch aussieht, der Angst hat.

Vielleicht liegt die Hoffnung irgendwo zwischen diesen beiden starken Emotionen. Angst zu haben vor etwas Bestimmtem. Aber sich der Angst nicht ergeben, sondern mutig der Angst stellen und darauf hinarbeiten, dass das, was die Angst auslöst, bald vorüber geht. Bei der Angst vor Spinnen, der Arachnophobie, ist es eine gängige Therapie, sich bewusst mit Spinnen zu konfrontieren und diese bspw. über die Hand laufen zu lassen (eine grauenvolle Vorstellung). Die Hoffnung auf Er-/Lösung ist schon mehr als nur ein Wunsch oder ein Vorsatz.

Wobei - Angst nicht nur Angst vor bestimmten Dingen sein kann – sondern auch vor Ereignissen oder sogar Gefühlen. Angst, einsam zu sein. Angst davor, verlassen zu werden. Angst vor Krieg. Angst vor der Zukunft.

Es sind Befürchtungen, die das Leben auch prägen können. Weil sie uns zeigen, wie zerbrechlich das Leben ist. Was heute als sicher gilt, kann morgen schon vergangen sein. Nichts ist für die Ewigkeit – alles kann sich verändern. Und Veränderungen können Angst auslösen.

Es gibt Veränderungen, an die man sich mit der Zeit gewöhnen muss oder kann – wie z.B. an die schnelllebige und digitale Welt – oder die Änderung von Gottesdienstzeiten oder Fahrplänen .

Und andere Veränderungen unserer gewohnten Welt treffen uns wie ein Schlag und wir müssen lernen mit den neuen Situationen umzugehen. Allein die Katastrophen, Ereignisse und Unglücke der vergangenen 6 Wochen zeigen uns, wie zerbrechlich und endlich das Leben sein kann. Und das macht Angst. In solchen Situationen kann man entweder vor Angst die Flucht ergreifen oder vor Angst erstarren.

Etwa so, wie unsere Welt ängstlich und gelähmt erstarrt angesichts der Tatsache, dass einige Grossmächte und Despoten unsere Weltordnung neu aufteilen und Freiheit und Menschenwürde, Gerechtigkeit und Recht ernsthaft in Frage stellen. Unvorstellbar, dass ein demokratisch gewählter Präsident mit Handelszöllen um sich wirft, wenn er nicht bekommt, was er will. Er annektiert Länder und beleidigt die halbe Weltgemeinschaft – und keiner schafft es angemessen zu reagieren. Und alles nur, um den Handelsaustausch zu gewährleisten. Das WEF in Davos hat uns allen den Spiegel vorgehalten.

Die Situation, in der unsere Welt sich befindet, kann Ängste auslösen. Nicht nur innerliche und spirituelle Ängste, sondern auch existentielle Ängste. Und nun steht wieder die Frage im Raum, mit welcher Hoffnung ich oder besser wir diesen Ängsten entgegentreten. Wie mutig sind wir, um die Ängste der Menschen aufzufangen? Wie mutig bin ich, um effektiv etwas zu unternehmen?

Das Prinzip Hoffnung wird uns im Evangelium mit einer Vision, einem Bild vorgestellt: Das Volk, das im Dunkeln sass, hat ein helles Licht gesehen. Denen, die im Schattenreich des Todes wohnen, ist ein Licht erschienen. Es ist ein Zitat des Propheten Jesaja. Auch im Lukas-Evangelium wird der Satz zitiert im Lobgesang des Zacharias. Dort heisst es: Uns wird besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes – und unsere Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.

Lukas benennt hier das Prinzip Hoffnung: Denen, die im Schatten des Todes sitzen, wird ein Licht aufstrahlen. Das Licht am Ende des Tunnels. Der Sonnenaufgang am Ende der Nacht. Ein aufstrahlendes Licht, das uns einen Weg zeigt. Nicht irgendwo hin zu irgendeinem Ausweg. Das Licht lenkt unsere Schritte auf den Weg des Friedens. Auch im Lukas-Evangelium lässt der Evangelist den greisen Simeon über Jesus sagen: «Nun lässt du Herr, deinen Knecht […] in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast: ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel».

Das ist für mich Hoffnung, um die Befürchtungen und Ängste und meine Sorgen zu überwinden. Meine Sorgen werden nicht gelöscht. Aber ich finde mit Gott und in seinem Licht die Wege des Friedens. Es geht nicht um Effizienz oder Schnelligkeit, um Profit oder Gewinne – sondern es geht um den Frieden.

Das Volk, das im Dunkeln sitzt, sieht ein helles Licht. Denen, die im Schattenreich des Todes wohnen, erscheint ein Licht. Das Licht erleuchte alle Völker dieser Erde, damit wir alle die Wege des Friedens gehen. Jeder auf seine und auf ihre Weise. Jeder in seinem Tempo. Die einen gehen den Weg links entlang, die anderen lieber rechts und andere gehen einfach gerade aus durch die Mitte. Solange es Wege des Friedens sind und solange wir uns gegenseitig in unseren Ängsten stützen und uns gegenseitig Hoffnung machen und niemanden verletzen oder beleidigen, sind es Wege, die uns zu Gott führen.

So wünsche ich uns allen, dass wir auch in dunklen Zeiten die Hoffnung nicht verlieren. Die Dunkelheit ist nur die Abwesenheit des Lichtes. Wir haben es in der Hand, das Licht leuchten zu lassen. Das Licht aus der Höhe ist uns allen ins Herz gelegt, damit die Liebe Gottes durch uns scheint und wir diese Welt ein wenig heller machen. Das gilt für alle. Egal, welche Religion oder Konfession. Schenken wir einander neue Hoffnung, machen wir uns gegenseitig neuen Mut. Beten wir miteinander und auch füreinander -  und vergessen wir nie, dass Christus das Licht des Leben aller Völker ist.

 


Eric Petrini | Theologe
Katholische Kirche im Kanton Graubünden
Fachbereich Jugend-/Pastoral & Ökumene