Impulstext im August 2024

Von der Idee des olympischen Friedens hin zum Gebet für den Frieden unter uns allen

Die olympischen Sommerspiele 2024 sind seit bald 14 Tagen vorbei. Genau 10’500 Athletinnen und Athleten aus 204 Nationen nahmen an den olympischen Spielen teil und massen sich auf  32 Sportarten verteilt in den jeweiligen Disziplinen. Insgesamt 8 Medaillen konnte das Team von swiss olympic dabei gewinnen.

Seit 1896 werden die sogenannten olympischen Spiele der Neuzeit ausgetragen. Der Ursprung der Olympischen Spiele liegt im antiken Griechenland und sie sind nach der ursprünglichen Austragungsstätte Olympia benannt. Seit dem frühen 8. Jhd. v. Chr. sind Siegerlisten überliefert, aber es wird vermutet, dass die Tradition bis ins zweite Jahrtausend vor Christus zurückreicht. Dabei wurde der sportliche Wettkampf in erster Linie als religiöses Fest zur Ehren des Göttervaters Zeus und der Götter veranstaltet.

Die Spiele wurden schon in der Antike alle vier Jahre ausgetragen. Der gesamte Zeitraum von 4 Jahren galt als Olympiade und wurde als Zeitmass genutzt. Erst mit der Eroberung Griechenlands durch die Römer verloren die Spiele an Bedeutung, bis sie dann im Jahr 394 n. Chr. als heidnische Zeremonie verboten wurden und spätestens mit dem Einfall der Goten und Slawen gänzlich von der Bildfläche verschwanden.

Weder die Griechen noch die Römer waren für ihren Pazifismus bekannt. Kriegerische Auseinandersetzungen, Eroberungen und damit auch Verteidigungen standen an der Tagesordnung. Jedoch wurde schon früh unter den griechischen Stämmen ein Abkommen getroffen, dass für die Zeit der olympischen Spiele ein Waffenstillstand herrschen und somit eine sichere An- und Abreise der Olympioniken wie der Zuschauer gewährleistet sein sollte.

Ob nun bei der Etablierung der Spiele der Gedanke eines Waffenstillstandes oder der der Ehrerbietung der Göttes im Vordergrund stand, darüber mögen sich die Archäologen streiten. Der Gedanke des olympischen Friedens war aber der ausschlaggebende Beweggrund, dass die Olympischen Spiele Ende des 19. Jhd. neu belebt wurden. Statt sich auf dem Schlachtfeld zu bekämpfen, sollte die Jugend der Welt sich lieber in sportlichen Wettkämpfen messen. Der Gedanke des olympischen Friedens sollte zum Vorbild werden und den Wunsch nach Frieden auf der Welt in alle Länder tragen (vgl. www.olympics.com).

Man darf sich zu Recht fragen, wieso dieses Ideal heute nicht mehr gilt. Wieso ist es unmöglich, sich wenigstens alle vier Jahre (besser noch alle zwei Jahre) für die Zeit der Olympischen Spiele auf einen Waffenstillstand zu einigen?

Seien wir realistisch: eine Welt ohne kriegerische Auseinandersetzungen hat es wohl nie gegeben und wird es wohl auch nie geben. Aber neben jedem Kämpfer, der das Gewehr anlegt, braucht es auch Friedensaktivisten, die bewirken, dass Gewehre zumindest zeitweise auch wieder gesenkt werden. Kriege sind allgegenwärtig. Allein 2023 wurde Kriegsmaterial im Wert von rund 700 Millionen Franken exportiert. Ich möchte das nicht in Frage stellen. Ich möchte aber dazu anregen, im gleichen Gegenwert Friedensarbeit zu leisten. Pro Kopf wären das rund 90 CHF. Rechnet man die Gesamtausgaben für die Landesverteidigung hinzu, wären dies pro Kopf rund 800 CHF. Bei einem Durchschnittslohn von 40 CHF/Std würde dies einem Friedensdienst von 20 Stunden pro Jahr entsprechen. Das sind weniger als 5 Min am Tag.

Ich kann nicht vorhersagen, ob und wie viele Kriege beendet werden würde, wenn jeder Mensch nur 5 Minuten am Tag dem Frieden widmen würde. Wie würde die Welt aussehen, wenn Menschen für nur 30 Minuten in der Woche gezielt Frieden und Ruhe suchen würden? Ich persönlich gehe dafür sehr gerne in eine Kirche. In der Stille sein, die Gedanken ausblenden. Mit Gott das Gespräch suchen und den Frieden atmen. Ich weiss, dass es mir gut tun würden, wenn ich viel häufiger eine solch friedvolle Atmosphäre aufsuchen würde.

Kriege sind allgegenwärtig und selten standen sie uns so nahe. Umso mehr braucht es die Haltung des Friedens unter den Menschen, vor allem, um die Angst derer aufzufangen, die sich vor der Bedrohung durch Kriege wirklich fürchten.

In wenigen Tagen beginnen die paraolympischen Spiele. Höchste Zeit, den Gedanken der Inklusion, der Gerechtigkeit, der Menschenwürde und des olympischen Friedens weiter zu denken und zumindest 5 Minuten am Tag für ein Schweigen der Waffen zu beten.